Aktuelles

Kopie des Elternbriefes / Newsletters Dezember 2018 (Original wurde bei vorliegender Einwilligung per E-Mail verschickt) 

 

Liebe Eltern, 
in dem letzten Elternbrief für dieses Jahr möchte ich von der Jahrestagung des Therapeutenverbandes Zertifizierte LRS-Therapie nach Reuter-Liehr berichten. Schwerpunktthema der Tagung war das Lesen, wobei die Erkenntnis, dass die Lesekompetenz bei Kindern und Jugendlichen immer schlechter wird, erschreckend ist. Eine immer größer werdende Zahl an (nicht von einer LRS betroffenen) Kindern weist massive Leseprobleme auf, die sich häufig durch die gesamte Schullaufbahn ziehen und diese natürlich nachdrücklich negativ beeinflussen. In der LRS-Therapie ist die Leseförderung in den letzten Jahren immer stärker in den Vordergrund gerückt, womit das Lesetraining mit überarbeiteten und erweiterten Konzepten einen neuen Stellenwert erhalten hat. 
Neben der Leseförderung und dem nach wie vor im Mittelpunkt stehenden Rechtschreibtraining muss in den Therapiestunden der Arbeit an der Handschrift und den verhaltenstherapeutischen Elementen zunehmend Raum gegeben werden. Angesichts dieser Fülle an zu bearbeitenden Feldern ist es nicht verwunderlich, dass sich die Dauer einer LRS-Therapie in den letzten Jahren verlängert hat. Glücklicherweise wurde diese Entwicklung auch von den Jugendämtern erkannt, so dass es in meiner Praxis häufig zu einer Bewilligung über die eigentlich verbindlichen 80 Therapieeinheiten hinaus kommt. Zeichnet sich bei Ihrem Kind ein begründeter weitergehender Bedarf ab, so zögern Sie bitte nicht, einen zweiten Folgeantrag auf Kostenübernahme zu stellen. 
Der Austausch und die Zusammenarbeit mit den Schulen hat ebenfalls bisher unbekannte Ausmaße angenommen. Abgesehen davon, dass die Schulen sich offenbar immer mehr „absichern“ möchten und nun häufiger und auch detailliiertere Bescheinigungen und Stellungnahmen von mir erwarten, tendieren die Schulen zunehmend dazu, an die Gewährung eines Nachteilsausgleiches und/oder Notenschutzes Bedingungen zu knüpfen. Dazu gehören u.a. der verbindlich vorgeschriebene Besuch eines schulischen Förderkurses, auch bei einer gleichzeitig stattfindenden außerschulischen LRS-Therapie. Die Gefahr eines Gegentrainings, was zu einer weiteren Verlängerung der Therapie und damit zu zusätzlichen Kosten führen kann, wird dabei gern einmal „übersehen“. Des Weiteren gibt es Fälle, in denen nach Beendigung der LRS-Therapie die Fortsetzung dieser privaten Förderung eingefordert wird. Laut Auffassung des Bundesverbandes für Legasthenie und Dyskalkulie sowie des hessischen Landesverbandes, deren Einschätzungen ich teile, ist dies ein Unding. Da es aber offensichtlich keine eindeutigen, verbindlichen Aussagen der Politik gibt, bleibt uns nichts anderes übrig, als den Dialog mit den Schulen zu suchen, Überzeugungsarbeit zu leisten und Angebote zu schaffen, die dem Kind wirklich helfen und gleichzeitig diese Anforderungen erfüllen.   
Überzeugungsarbeit werden wir im nächsten Jahr auch hinsichtlich der Ausgestaltung des Nachteilsausgleichs und Notenschutzes leisten müssen. Einige Schulen gewähren zwar einen Notenschutz in Deutsch, bestehen aber darauf, dass Grammatik- und Zeichensetzungsfehler in die Bewertung eingehen, so dass es zu Notenabzügen kommt. Erfreulicherweise liegt mit der DSM V jetzt aber ein Beleg vor, dass diese Fehler auch zu den Beeinträchtigungen im schriftsprachlichen Ausdruck im Rahmen der Lese-Rechtschreibstörung gehören. Die Aufgabe wird es sein, dies mit den Schulen zu thematisieren und auch im Hinblick auf die Fremdsprachen Aufklärungsarbeit zu leisten. 
Zu guter Letzt möchte ich ankündigen, dass es ab 1.1.2019 eine Rechnungsumstellung geben wird. Ab Januar erhalten alle, die eine Bewilligung zur Kostenübernahme haben, nur noch eine Rechnung, die beim Jugendamt zur Kostenerstattung einzureichen ist. Wie mir die KollegInnen bei der Tagung versichert haben, ist dies gängige Praxis und es hilft uns, den Verwaltungsaufwand ein wenig zu reduzieren. 
Jetzt darf aber über die Feiertage erst einmal ein wenig Ruhe einkehren und so wünsche ich Ihnen und Ihren Kindern frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr, verbunden mit meinem herzlichen Dank für die gute und angenehme Zusammenarbeit in diesem Jahr. Ich freue mich auf das Wiedersehen ab 14.1.2019. 
Mit freundlichen Grüßen 
Elke Weckermann